25.8.13 TFC-Malnutrition

Das TFC (Therapeutic Feeding Center) für die unterernährten Kinder liegt vom Klinikgeländeeingang ausgehend auf der rechten Seite direkt unter unserem Büroraum in einem Nebengebäude. Hier sehen die Kinder allein durch ihr starkes Untergewicht schon sehr krank und gebrechlich aus. So wiegt z.B. ein einjähriges Kind nur 4,3kg, ein zweijähriges Kind 8,8kg und ein fünfjähriges Kind auch schon mal nur 7,8kg. Die Hauptursachen sind die falsche sowie mangelnde Ernährung der Kinder durch die Eltern und meist auch eine unbehandelte Tuberkulose des Kindes. Manchmal liegen dort auch Kinder mit dem Unterernährungstyp "Kwashiorkor", das sind Kinder mit den typischen Wassereinlagerungen besonders am Bauch, an den Beinen und im Gesicht.
Die Station umfasst 13 Betten und gearbeitet wird nach den Unicef-Richtlinien, da das Feedingcenter von Unicef unterstützt und betreut wird, in dem Maßbänder und Waagen sowie Nahrung zur Verfügung gestellt wird.
Die stationären Kinder werden zu den festen Ernährungszeiten
(1:00, 4:00, 7:00, 10:00, 13:00, 16:00, 19:00, 22:00 Uhr) unter Aufsicht der Schwestern von den Eltern mit der festgelegten Nahrung und Nahrungsmenge gefüttert. Hier lernen die Eltern wie richtig gegessen wird und wie viele MZ ein Kind braucht. Wobei ich anmerken muss, dass die beiden nächtlichen Zeiten erst seit 6 Wochen mit Absprache Ärzte/Unicef durchgeführt werden. Jede MZ wird dann auf einer gelben Feedingcard dokumentiert, vier Kreuze für alles ausgetrunken, zwei Kreuze die Hälfte usw. und ein V bedeutet das Kind hat während der MZ erbrochen. Bei Erbrechen und Durchfällen beginnt man erstmal mit Resomal (Elektrolytlösung speziell für Unterernährung). Öfters kam es aber von Unicef schon zu Lieferschwierigkeiten, so dass wir gelernt haben mit ORS (normale Elektrolytlösung) in einem konzentrierteren Mischungsverhältnis plus etwas Limettensaft zu improvisieren. Wenn das Kind dann keinen Durchfall mehr hat, gibt man die kalorienreiche Spezialmilch F75 und später F100 und sobald die Kinder wieder feste Nahrung aufnehmen können die Breie Cornflour und Bennimix (im wöchentlichen Wechsel) sowie manchmal Eier oder die energiereiche Erdnussbutterpaste Plumpy nut, welche von allen Kindern gern gegessen wird. Seit zwei Monaten befindet sich durch eine Spende von Welbodi auch ein Pulsoxymeter auf Station, aber Sauerstoffgabe ist nicht möglich. Diese Kinder landen dann meist auf den Überwachungsstationen und werden je nach Gesundheitszustand zur Nahrungsaufnahme mit dem Kind ins TFC geschickt oder die Eltern holen sich die Nahrung ab.



Feedingtime



lecker Plumpy nut

Je nach TFC Assessment wird festgelegt, welche Nahrung und welche Menge jedes Kind erhält. Bei einer solchen Einschätzung ist das Geschlecht, das Gewicht, die Länge und der linke Oberarmumfang (MUAC) eines Kindes entscheidend, um in der Uniceftabelle die Schwere der Unterernährung festzustellen. Zu viel Flüssigkeit ist für diese Kinder nicht gut, so dass diese Kinder trotz starken Flüssigkeitsverlusts keine Infusionen bekommen. Oft frieren diese Kinder bei den hier doch warmen Temperaturen sehr, so dass wir gelegentlich mit Kleidung und Decken (vorhandene gesammelte Werke von unseren Vorgängern in unserem Office) aushelfen.


wiegen mit der Unicef-Waage



die Länge messen



Miatta James; das Maßband für den Oberarm


Jeden Mittwoch gibt es den SFP-Tag, an dem die Eltern mit ihren Kindern, in der Regel für 8 Wochen, jeden Mittwoch ins TFC kommen. In großer Runde wird für alle Eltern ein Vortrag über die Wichtigkeit der Hygiene sowie der regelmäßigen Ernährung gehalten und sie erhalten für eine Woche Nahrung. Jeden Donnerstag ist OTP-Tag für alle Outpatients, da finden Kontrolluntersuchungen statt, wo einbestellte Kinder nochmal vermessen werden und Nahrung verteilt wird.


Mittwochs zwischen 10:00-11:00 vor dem TFC Eingang

Zur Zeit verschönert ein Maler die weißen Wände des TFC's mit farbenfrohen ernährungshinweisenden Bildern und ich muss sagen, er macht seine Arbeit mit dem ihm zur Verfügung stehenden Mitteln wirklich sehr gut.


Very nice!!!

Erwähnen möchte ich an dieser Stelle den Pfleger Tamba (für Astrid Georg), der ausschließlich bis Ende Juli Nachtdienste auf Step Down absolvierte und am Tage auf TFC schlief, da er kein zu Hause hat und somit auf dem Klinikgelände lebt. Nun im August ist er öfters im Tagesdienst des TFC zu finden, so dass ich letzte Woche, nachdem wirklich alle Schwestern für zwei Tage von
8:00-17:00 Uhr bei einem Workshop waren, ihm half die Station zu versorgen. Gerade bei der Medikamentenberechnung taten sich bei mir Abgründe auf, denn ist Tamba doch der Mentor für Medikamentenberechnung und machte in der Vergangenheit zu diesem Thema mehrere Fortbildungen. Ab September wird er Nächte auf SCBU machen und bis dahin werde ich mit ihm noch Medikamentenberechnung üben müssen.


Schicht mit Tamba;-)

Foto vom 21.08.13: ein fünfjähriges Mädchen mit Tuberkulose, wiegt gerade mal 7,8 kg


solche leeren und traurigen Augen

25.8.13 21:26