9.7.13 Step Down (Überwachungsstation)

Auf der Überwachungsstation mit ihren 29 Betten und hohem Durchlauf liegen meist alle Kinder sehr schlapp im Bett, sie sind zu krank für eine Normalstation, aber noch nicht lebensbedrohlich, um auf die Intensivstation zu kommen. Jedes im Bett sitzende lächelnde Kind wird entlassen oder verlegt. Die Patienten werden im Gegensatz zur Normalstation 4stündlich anstatt 6stündlich überwacht und es ist möglich mit Hilfe von Oxygenkonzentratoren Sauerstoff zu geben, wobei ich anmerken muss, das oft die Qualität durch das Anschließen mehrerer Kinder an einem Gerät nur gering ist. Schwestern gibt es, wenn alle zum Dienst kommen, eigentlich genug, aber da dann die Arbeit im Schnitt auf zehn Schwestern und vier Schüler verteilt sein will, gibt es unnötig komplizierte Stationsabläufe. Hinzu kommt, dass leider keine mündliche Übergabe stattfindet, da dafür keine überlappende Dienstzeit eingeplant wird und dadurch verständlicherweise keine Schicht früher oder länger bleiben möchte. Auch erscheinen nicht immer alle Schwestern zum Dienst und diejenigen die kommen, üben selbsternannte Gleitzeit aus.

Ein Beispiel von einem Spätdienst am Samstag:

sieben Schwestern stehen auf dem Plan, davon waren nur zwei Schwestern pünktlich zu 14:00 Uhr anwesend, eine weitere kam um 15:40 Uhr und die nächste um 16:00 Uhr.

Da dies keine Konsequenzen durch die Matron hat, wird sich daran wohl erstmal nichts ändern. Auch rotieren viele Schwestern sowie alle Houseofficer (junger Arzt, in den ersten zwei Jahren nach dem Studium) immer am Anfang des Monats zwischen den Stationen. Einige Schwestern leider auch in andere Krankenhäuser, aber sicher denkt sich das Gouverment was dabei. So ist gerade immer am ersten des Monats Chaos auf den Stationen und oft wird an diesem Tag erst der Dienstplan für den Monat geschrieben, da die Matron erst zwei Tage vorher die Listen raushängt, wer nun wo arbeitet und die Stationsschwester sehen muss, ob auch alle kommen. Da der eine zuständige Houseofficer meist nur während der drei bis vierstündigen Visite auf Station ist, wird ein Kind bei akuter lebensbedrohlicher Verschlechterung in den ER (Rettungsstelle) gebracht, da dieser immer mit zwei Houseofficern besetzt ist. Das musste ich auch erstmal lernen, der Arzt kommt nicht zum Kind, sondern das schwer kranke Kind zum Arzt. Manchmal kommt auch ein Consultent (Dr.Bondi), eine Art Oberarzt mit zur Visite. Oft gibt es immer wieder unnötige Schwierigkeiten mit der Blutbank im nahegelegenen PCMH, wenn ein Kind eine Bluttransfusion bekommen soll und die Mutter keinen Spender und kein Geld hat. Somit war ich schon oft dort, um die Angelegenheit zu klären und die hilflosen Eltern sind einem dadurch so sehr dankbar, dass sie einem wirklich fast die Füße küssen wollen. An manchen Tagen komme ich mir wie auf einem Basar vor, immer wieder kommt jemand auf Station und möchte was verkaufen: Essen, Knabbereien, Getränke, Pampers, Sonnenbrillen und zweimal die Woche kommt ein Fotograf und macht Fotos von den kranken Kindern oder den Schwestern.
Völlig unnötig und nervig ist das ständige Durch-den-Raum-Brüllen der Namen der Kinder, wo dann die armen Eltern immer brav zum Schreibtisch antanzen dürfen. Meist wird damit überprüft, ob das Kind noch auf Station liegt, obwohl es ein kompliziertes, täglich ausführlich geschriebenes Aufnahmebuch gibt oder die Schwester nur wissen will, wie es dem Kind geht oder die Eltern müssen ihre leere Plastiktüte für die Pharmacy reichen und später die gefüllte Plastiktüte wieder abholen. Aber ich weiß, alles braucht seine Zeit. Ich denke mit den zwei neuen Staff-Nurses Hawa und Sarah hat die Station eine Bereicherung, um die Abläufe wenigstens etwas zu verbessern und nun ist es auch offiziell, das Krankenhaus hat erstmal für ein halbes Jahr die Akkreditierung erhalten und danach wird nochmal neu entschieden.
Letztes Wochenende waren wir zur Hochzeit von einer Schwester dieser Station und wurden auf dem Weg dahin von einer Schwester aus dem ER mit Auto mitgenommen. Zum Glück, da wir nicht wussten, dass sich einen Tag vorher die Location geändert hatte, da der ursprüngliche Veranstaltungsort noch abgesperrt war, da dort ein Mann einem Gewaltverbrechen zum Opfer viel. Ein "peinlicher" Höhepunkt war, dass wir als sogenannte weiße Gäste auf die Bühne mussten, um für das Brautpaar zu tanzen, während viele Hochzeitsgäste vor der Bühne standen, um uns zu feiern. Ich denke für so unvorbereitet haben wir uns gut geschlagen und einige deutsche Tanzstile präsentiert.





bei der Doctor´s Round




Essenverteilung für die Kinder an die Eltern




in der Blutbank




auf dem Arbeitsweg "im Schuhladen"

9.7.13 00:39