7.9.13 ICU-Intensivstation

ICU (Intensivstation)

Die Intensivstation mit ihren 10 Betten befindet sich gleich neben dem ER in der ersten Etage im ersten Hauptgebäude. Hier gibt es einen abgetrennten kleinen Raum mit zwei Betten für die Kinder mit Tetanus, die viel Ruhe brauchen. Auf dieser überschaubaren Station werden die Kinder zweistündlich überwacht und haben nun meistens auch schon kontinuierliche Überwachung durch ein Pulsoxymeter. Mit Sauerstoffgabe und der Ernährung über Magensonde liegen diese schwer kranken Kinder hier meist komatös im Bett. Daher kommt es sehr oft zu Reanimationen, die weiterhin immer erfolglos bleiben. Nun zum Monatsanfang wurden wieder einige Schwestern getauscht, so dass jetzt drei Schwestern von Step Down dort arbeiten und das auch zusammen in einem Team. Es gibt auf jeder Station immer zwei feste Tagesteams. Ein Team startet mit FD und eins mit SD, wöchentlich wechseln diese kompletten Teams dann ihre Schicht, so dass sie entgegengesetzt arbeiten. Das feste Nachtwachenteam für diesen Monat arbeitet mit drei Nächten und einem freien Tag so versetzt, dass meist immer nur eine Schwester frei hat.

News

Unser neuer Arzt Alex ist wohlbehalten am 2.9.13 aus Berlin eingetroffen. Er hat so wie ich ein halbes Jahr Sonderurlaub und arbeitet in der Heimat im KH Neukölln. Ich habe nun mein neues Zimmer bezogen und hatte in den ersten Nächten große Probleme mit dem Schlafen, da die Matratze sehr durchgelegen ist. Aber so langsam habe ich sie mir zurecht gepolstert und meine Rückenschmerzen sind fast weg.

mein neues Zimmer:

Vor zwei Wochen wurde unser Eingangsbereich vom Pikin Paddy in der Haganstreet farbenfroh gestaltet. Die Maler aus der Nachbarschaft konnten sich ihrer "Inspiration" hingeben.

Gestern wollten wir abends kurz mit Alex zum Essen an den Strand, aber das wurde dann auch wieder eine Geschichte für sich. Für den Hinweg brauchten wir statt einer halben Stunde glatt zwei Stunden. Mit sieben Personen und durch den strömenden Regen hatten wir eine schlechte Verhandlungsbasis, um ein Taxi zu chartern und waren deshalb froh, als uns ein größeres Taxi für einen angemessenen Preis mitnehmen wollte. Der Taxifahrer wollte nur noch schnell eine große Ladung Fisch und seine bereits drei Insassen abliefern. Unter größeres Taxi meine ich hier so eine Art Minivan, in dem in Deutschland sechs Personen mitfahren können. Hier ist natürlich alles anders, Hauptsache der Fahrer hat noch Platz zum Fahren und so durften wir alle noch zusteigen. Anne und ein Insasse durften sich auf der hintersten Reihe auf die große Ladung gefrorenen Fisch setzen. Fünf Personen saßen in der Mittelreihe, wo in Deutschland nur zwei Personen sitzen dürften und zwei Personen auf dem Beifahrersitz. Hier ist wirklich alles möglich. Das Auto war nun mehr als voll beladen und so setzten wir auf den schlechten Straßen mehrmals auf. Jedes mal dachte ich, oh je das schöne Auto, war es doch wirklich noch gut erhalten. Durch Stau und enge Gassen dauerte diese kurze Strecke fast eine Stunde. Am Ziel der einheimischen Insassen angekommen, befand sich dieses genau eine Seitenstraße von unserer Haganstreet entfernt, wo das Ausladen eine gefühlte Ewigkeit dauerte. Nun wurde es für Ole zu spät, da er noch Besuch erwartete und er lief nach Hause. War ja gleich um die Ecke. Als wir dann endlich weiter fuhren, kamen wir direkt an unserem zu Hause vorbei. Ab dann lief alles gut und wir konnten zu späterer Stunde am Strand das leckere Essen im "Roys" genießen. Auf dem Rückweg wurden wir von einer polizeilichen Straßensperre angehalten und wieder mal mit Taschenlampen beleuchtet. Es hieß wir sind überladen. Dann musste unser Fahrer aussteigen, danach auch noch Ruth und Jacki, die auf dem Beifahrersitz saßen. Dann stieg ein Polizist mit Gewehr ein und wir mussten ein Stückchen weiter rechts am Straßenrand halten. Dort stiegen wir dann alle aus und warteten am Auto, da der Fahrer seine Papiere der Polizei auf der anderen Straßenseite zeigen musste. In der Zeit wurden wir Zeuge, wie ein Okadafahrer mit Fahrgast auf das Stoppzeichen des Polizisten nicht reagierte und an ihm vorbei wollte. Der Polizist griff nach dem Fahrer, das Bike fiel um, der Okadafahrer stand auf und wollte schnell weiter fahren. Sein Fahrgast meckerte lautstark und wollte auch wieder aufsteigen. Es kam zum Handgemenge. Nun eilten ihm alle anderen Polizisten zur Hilfe. Dies nutzte unser Fahrer blitzschnell aus und kam sofort zu uns gerannt und rief uns von weitem zu, wir sollen ins Auto steigen. Wir sprangen alle so was von schnell ins Auto, zwei auf den Beifahrersitz und vier auf die Rücksitzbank und fuhren mit Speed los. Diese Szene war wirklich filmreif ! Aber zum Glück ging alles gut und wir waren um Mitternacht zu Hause.

 

7.9.13 21:57


8.9.13 Ward 1 (Normalstation)

Diese Normalstation mit ihren 34 Betten befindet sich im zweiten Hauptgebäude im Erdgeschoss und umfasst 34 Betten. Sie ist räumlich so aufgebaut wie Ward 3 und Step Down. Zur Zeit liegen hier durch die Regenzeit immer viele Patienten, meist so zwischen 40-50, so dass dort diesen Monat schon zwei Houseofficer die Visite machen. Ansonsten kann ich gar nichts besonderes von dieser Station berichten, läuft eigentlich alles genauso wie auf der anderen Normalstation Ward 3, mal mehr und mal weniger gut. Gern wird von den Schwestern auch hier (besonders im Spätdienst, genau wie auf Ward 3 und TFC) ein musikalisches Programm auf dem großen Stationsfernseher verfolgt.
Zu erwähnen wäre noch, dass ein Securitymitarbeiter vor jeder Station die festgeschriebene Besuchszeit von (16:00-18:00) überwacht. 


Ward 1


früh übt sich


Sherif, ein Helfer bei der Ward Challenge

Spontan bekamen wir am 4.9.13 eine kleine Führung durch das direkt am ODCH angrenzende PCMH (Princess Christian Maternity Hospital). Es war sehr interessant. Die Zusammenarbeit mit diesem Krankenhaus besteht darin, dass dort die Blutbank integriert ist und die schwer kranken Neugeborenen auf unsere Neonatologie verlegt werden.


auf einer Station im PCMH

Am Samstag den 7.9.13 war ein sogenannter Cleaning Day in Freetown. Alle Leute mussten ihr Haus und das Gelände um ihr Haus aufräumen, so dass die städtische Müllabfuhr (Freetown Citykanzel) es abholen kann. In diesem Zuge gab es eine Ausgangssperre von 9:00-13:00 Uhr und nur mit Passierschein durfte man sich auf der Straße bewegen, um z.B. zu seinem Arbeitsplatz zu gelangen. Kontrolliert wurde dies von der zuständigen Polizei. So war es am Samstag wirklich ruhig auf den Straßen, kein Markgeschehen vor unserer Tür und unsere Straße sah wirklich richtig ordentlich aus. Und ich muss sagen, abends riecht es auch nicht mehr ganz so unangenehm von der Straße hoch zu unserem Balkon, der sich in der vierten Etage befindet.
8.9.13 23:29


17.9.13 Charlotte falls, Namegiving ceremony, SOS Kinderdorf, Bunce Island

Nun rücken für mich hier die letzen Wochen an und ich möchte noch kurz von einigen schönen Erlebnissen berichten.

31.8.13 Charlotte falls

Am 31.8.13 beschlossen wir einen Ausflug zu den Charlotte falls (berühmten Wasserfällen) zu machen. Ole hat nun auch hier für Sierra Leone einen gültigen Führerschein und so konnten wir das Auto nutzen. Unseren Lupo nahmen wir mit, der sich ganz tapfer schlug, obwohl ihm das Auto fahren nicht so gut bekam. Leider war die Straße von Tacugama aus sehr schlecht und wir verpassten irgendwie die Abfahrt zu Charlotte Village, so dass wir das eigentliche Ziel verfehlten. Ein Umdrehen war durch die eine Fahrtrichtung nicht mehr möglich. Aber wie heißt es so schön, der Weg ist das Ziel. So beschlossen wir spontan eine kleine Rundfahrt auf der Halbinsel zu machen. An den Stränden entlang, von Kent über Tokeh Beach, Sussex Beach, Hamilton Beach, Lakka, Goderich nach Freetown. Zu kämpfen hatte unser Auto mit den teilweise unglaublich schlechten Straßenverhältnissen, wo ich oft dachte: "Auto halt durch, geh nicht kaputt und nicht festfahren". Eine Hilfe war, dass ein LKW in unsere Richtung fuhr und wir so sahen, wie tief die Schlaglöcher waren. Zur Not hätten wir dann auch ein großes Auto zum Rausziehen. Aber zum Glück hielt unser Auto durch. Auf unserer Tour machten wir mehrere Pausen. So an einem Wasserfall, wo Astrid erst mal ihr Badevergnügen stillte und Ole unser Auto, dank Lupo, innen putzen durfte. Der nächste Stopp war am Tokeh Beach, wo wir uns die Beine vertraten und den herrlichen Strand bewundern konnten. Am Sussex Beach aßen wir dann im wirklich traumhaft gelegenen Gasthaus Florence's zu Abend und genossen die Schönheit der Natur. Zu erwähnen von diesem Ausflug wäre noch, dass wir ein Handzeichen eines Polizisten übersahen und so auf der Straße den Präsidenten im Auto vorbeifahren sahen. Einige Einheimische winkten ihm freudig zu. In Freetown hörten wir auf unseren Freund Mohamed und fuhren eine längere Strecke falsch in eine Einbahnstraße. Zum Glück ging das gut aus.

in der Nähe der Charlotte falls:


die sehr schlechten Straßen

Tokeh Beach:

Sussex Beach:

8.9.13 Namegiving ceremony

Am Sonntag folgten wir einer Einladung von Familie Mohamed zur Namensgebung ihrer Tochter. Hier im Land erhalten die Kinder erst später in einem feierlichen Rahmen ihren Namen. Wir wurden schon morgens um 10:00 Uhr eingeladen, um das Baby zu waschen und anzuziehen. Als allerdings der Part des Schminkens kam weigerten wir uns und so übernahm dies eine einheimische Verwandte. Wobei Betonung auf die Augen gelegt wurde und ich kaum hinschauen konnte, wie mit dem Farbstift direkt in die Augen gestrichen wurde. In der nahegelegenen koranischen Schule hielt ein Oman eine Rede und der Name wurde feierlich verkündet sowie Ratschläge für die Mutter erteilt. Zum Beispiel wie wichtig das Stillen ist. Geschlachtet wurden zwei Schafe, wovon wir die Kosten eines Schafs als Geschenk übernahmen. Das Fleisch wurde dann wohl an die anwesenden Gäste verteilt, wobei wir dankend ablehnten. Anschließend gab es Fisch und Reis all la Fingerfood. Ausklingen ließen wir den Tag in den Slums am Wasser.


das Ankleiden


das Schminken


das Warten


die Ansprache durch den Oman


Anne Beshe Sankoh

11.9.13 SOS Kinderdorf

Am Mittwoch machten wir etwas früher Feierabend und fuhren mit Lamin, unserem Fahrer, ins SOS Kinderdorf. Astrid hatte den Auftrag eines deutschen Ehepaares ihr Patenkind zu finden, zu welchem sie dreißig Jahre kein Kontakt mehr hatten. Das Mädchen hatte damals als Kind im SOS Kinderdorf gelebt. Und tatsächlich, eine Mitarbeiterin, die dort schon ebenso viele Jahre arbeitet, konnte sich an Marie erinnern. Astrid nahm mit ihr schon telefonisch Kontakt auf und wir werden uns am kommenden Mittwoch mit ihr treffen. Sie hat einen Sohn und lebt hier in Aberdeen.

ein Rundgang auf dem Gelände:

15.9.13 Bunce Island

Dieser Ausflug, begleitet von herrlichem Sonnenschein, war wirklich sehr schön. Wir fuhren morgens nach einem zeitigen Frühstück los nach Lakka Beach, um von dort mit einem Fischerboot zur historischen Slaveninsel "Bunce Island" zu starten. Die etwa dreistündige Bootstour war sehr interessant. Es ging vorbei an den unterschiedlichen Stränden, an unserem zu Hause, der Fähranlegestelle Lungi (Airport) und vielen Fischerbooten. Unterwegs hielten wir ein Fischerboot an und fragten nach ihrem Fang. Dieser war erfolgreich und unsere einheimischen Freunde kauften zwei große Fische, direkt auf dem Wasser. So hatten wir auf der Insel ein leckeres frisches Fischgericht mit Reis. Ich muss sagen, hier schmeckt der Fisch wirklich ausgesprochen lecker. Die Insel war relativ klein und sehr grün bewachsen. Hier erhielten wir eine kleine Führung, sahen die Ruinen der früheren Kerker und hatten Einblick in ihre Geschichte. Vielleicht sollte ich mir den Film von Steven Spielberg "Amistad" zu Hause mal ansehen, der von der Slavenfestung Bounce Island erzählt. Spät, aber noch bei Tageslicht, kamen wir wieder am Lakka Beach an und sprangen erstmal alle ins erfrischende Wasser. Den Sonnenuntergang genießend nahmen wir dort ein Abendmahl bestehend aus Fisch und Chips ein. Spät am Abend waren wir wieder zu Hause und parkten unser Auto das erste mal in unserer Garage, was durch den neuen sehr hohen Bordstein nicht so einfach war. Aber mit Hilfe von Sandsäcken ging es dann doch und wir fielen alle müde ins Bett.

Lakka Beach:

auf dem Weg nach Bunce Island:


unterwegs wird der Fisch ganz frisch eingekauft

Bunce Island:

Auf Bunce Island:

Auf dem Rückweg legten wir einmal kurz an Land an, da Sprit für das Boot gekauft wurde.


Unglaublich, den Verkäufern steht das Wasser fast bis zum Hals.

17.9.13 02:52