14.8.13 News im August

Nun im August möchte ich hier von Regenzeit sprechen, der Himmel ist meist bedeckt und es regnet öfters auch mal den ganzen Tag. Abends wird es deutlich kühler, so das man dann besser lange Kleidung trägt. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit sollte man regelmäßig seine Kleidung kontrollieren, wenn man auf der Kleidung keinen Schimmel züchten möchte. Meine Jacke, die hier seit meiner Ankunft nur im Schrank hängt, wies schon einen großflächigen grünlichen Schimmel auf. Mit dem Ende des Ramadan kamen wir letzte Woche Donnerstag (8.8.) in den Genuss eines offiziellen Feiertags, denn alle Moslems freuten sich über das Ende der Fastenzeit und feierten diesen Tag. So brauchten wir nicht zu arbeiten und jeder hatte mal Zeit für sich. Abends waren wir bei Mohammed, einen befreundeten Einheimischen weiter unten in der Haganstreet (Mabella) zum Essen eingeladen. Es war wirklich ein netter Abend und wir konnten die kleine Anne Ramatu bestaunen, das erste Kind seines Vaters mit seiner zweiten Frau. Es war kaum zu glauben, wie viele Menschen im Wohn- und gleichzeitig Schlafraum Platz hatten. Gegessen wurde gemeinsam aus einer großen Schüssel (Reis und Fisch, Yams und Kochbananen) all la Fingerfood. Natürlich nur mit der rechten Hand, denn ich weiß nun auch, dass es unter der einfachen Bevölkerung kein Toilettenpapier gibt. Das gründliche Händewaschen vor und nach der Mahlzeit haben wir selbstverständlich eingehalten!



bei Familie Mohammed



die kleine Anne Ramatu



all la Fingerfood


Das Projekt im Krankenhaus geht in Richtung Rückzug und das Team wird verkleinert auf eine Schwester und später auf einen Arzt. Meine Stelle wird somit nicht weiter besetzt. Astrid wird nicht verlängern und freut sich jetzt schon auf ihre Rückkehr in die Heimat Ende November. Unsere einheimische zweite Ärztin ist nach sieben Wochen Urlaub Anfang August wieder aus Deutschland zurückgekehrt und wird aus persönlichen Gründen in einer Woche wieder einige Zeit (6 Wochen) in Deutschland verbringen. Am 2.9. kommt Alex, ein Kinderarzt aus Berlin, um Anne abzulösen, die zwei Tage vor mir Heim fliegt. Für ihn werde ich dann mein Zimmer räumen und für die letzten Wochen eine Etage tiefer ins Zimmer neben Anne ziehen. Mit der Wohnungssuche gestaltet es sich nun ganz positiv, so dass eventuell nach unserer Abreise (Anne und ich) im Oktober umgezogen wird. Auf unserem Dach wird es nun mit zwei Fussballtoren und einer Slackline sehr sportlich.


Lupo das kitzelt


Im Krankenhaus können nun seit drei Wochen digitale Röntgenbilder gemacht und ausgewertet werden. Unser Office haben wir umgeräumt, so dass wir nun alle an einem Tisch sitzen. Alle Regale wurden ordentlich beschriftet, in diesem Zuge gleich Inventur gemacht und viele Sachen, die wir eh nicht verwenden werden weitergeleitet. Ab 15.8. gehen nun alle Houseofficer in den Streik, da sie aktuell nun zwar endlich ihr Gehalt vom Government bekommen, aber es ihnen nicht rückwirkend für ein halbes Jahr gezahlt wird. Daher gab es heute ein Sondermeeting aller Ärzte mit der Professorin, die dafür Verständnis zeigte und uns anschließend den Ablauf für die kommenden Tage mitteilte. Auf allen intensiveren Bereichen (ER, ICU, SCBU und Step Down) arbeitet ein Seniorofficer oder Medicalofficer, die nicht betroffen sind, alle Outpatient werden weitergeschickt und auf den Normalstationen wird versucht, so viele Kinder wie möglich zu entlassen. Ansonsten läuft alles wie immer, mit ganz kleinen Schritten nach vorne.



der Container mit dem Röntgengerät


Seit dem 4.8. hat sich unser Team überraschend etwa vergrößert. Wir haben nun einen Cap Anamur Hund namens Lupo. Aber wie kam es dazu? Hunde werden hier im allgemeinen von den Menschen sehr schlecht behandelt. Sie müssen hungern, werden oft grundlos getreten, geschlagen und beworfen. Nun zu seiner Geschichte. Anne und Ole waren allein am Bureh Beach, als sie einige Kinder beobachteten, die hinter einigen Hunden hinterher rannten, sie traten und bewarfen. Unseren Lupo schnappten sie sich und warfen ihn ins Wasser, wo er luftringend beinahe ertrunken wäre, wenn Ole nicht ins Wasser gesprungen wäre, um ihn zu retten. Was die Kinder nun gar nicht verstanden, ist doch nur ein Hund. Beide nahmen den völlig verängstigten Hund mit zu uns nach Hause, wo ein Hund schon länger ein Thema war. Als wir anderen abends vom Lumley Beach zurück kamen, war unsere Freude groß. Er hat sich schon ganz gut eingelebt und sich auch ans Treppen steigen gewöhnt, wurde er die ersten Tage noch getragen. Über Nacht schläft er oben auf dem Dach und ansonsten ist er viel im Wohnzimmer und auf dem Balkon oder am Tage bei Ruth unten im Büro. Die Küche ist tabu, aber daran müssen wir ihn immer noch oft erinnern. Ich hoffe für die Kinder hier im Haus ist er eine nachhaltig pädagogisch wertvolle Begegnung.


Lupo



na so ein bischen, kann ich doch wohl in die Küche


Am 10.8. haben wir es richtig krachen lassen und hier in der Haganstreet den ersten Geburtstag des Pikin Paddy Projekts gefeiert. Eine kleine Feier mit allen Angestellten nebst Begleitung und alle hier zur Zeit wohnenden Kindern, denn genau vor einem Jahr (6.8.12) wurden die ersten Kinder hier im Haus aufgenommen. Zeitgleich wollten wir uns mit unserem furchtbaren DJ (mir schon von der Eröffnungsfeier bekannt) sowie voller Musiklautstärke an alle unsere Nachbarn rächen, die auch ständig ihre Musik auf Anschlag stellen und wir dadurch sehr oft um unseren erholsamen Schlaf gebracht werden. Mit anfänglichen Schwierigkeiten meiner Person, da ich meinte, meine alltägliche Doxycyclin Tablette (Malariaprophylaxe) kurz vor Partybeginn auf nüchternen Magen einnehmen zu müssen und dadurch eine Weile mit den Konsequenzen zu kämpfen hatte, wurde der Abend ein voller Erfolg. Zu meiner Freude, war ich doch auf das Schlimmste eingestellt, konnte ich meine Ohrstöpsel im Zimmer lassen, denn die Musiklautstärke sowie Titelauswahl waren angenehm, ganz wie auf den heimatlichen Partys. Alle hatten Megaspaß und besonders für die Kinder war es ein Highlight. Es wurde wie wild getanzt und besonders die Streetchildren haben uns mit ihrem Tanzen wieder sehr beeindruckt. Einige Kinder wollten mit uns Damen auch den deutschen Tanzstil ausprobieren. Für das leibliche Wohl hatte Ruth gut gesorgt und unsere Kuchenkreationen kamen ebenfalls sehr gut an, so dass sich unverschämt eine unserer Küchenfrauen noch während der Party viele kleine Stückchen einpackte. Kurz vor zwei Uhr lag ich dann im Bett, da der nächste Tag früh beginnen würde.


Versuch eines Gruppenfotos



Hauptbeschäftigung :-))



unsere Backkreationen



Am Sonntag folgte ich mit Anne und Astrid der Einladung von Olive (Nurse von Step Down) in die Bethel Methodist Church (Women's Fellowship) zum Thanksgiving. Gestylt in unserem einheitlichen Rockdress ging es durch die Stadt in die ganz in der Nähe vom ODCH gelegene Easton Sreet. Wir kamen etwas zu spät und mussten kurz am Eingang warten, bis für uns extra Stühle in den Gang gestellt wurden. In der Zwischenzeit kauften wir uns ein Programmheft und stellten zu unserem Schreck fest, dass dort gleich auf der ersten Seite unsere Namen (Anne's und mein Name) unter den Receivers aufgeführt waren. Aber gut, sie werden uns schon sagen, wie wir was zu tun haben. Also genossen wir erst mal die feierliche Stimmung der in weiß gekleideten Ladys. Es wurden positive Reden gehalten, feierlich gesungen und zwischendurch immer wieder zum Geld spenden aufgefordert. Als es hieß, jeder spendet nochmal für seinen Wochentag, an dem er geboren wurde, musste ich kurz überlegen und ich hoffe, ich habe mich mit dem Dienstag richtig entschieden. Die knapp drei Stunden waren wirklich sehr amüsant und als noch das Lied "I will follow him", bekannt aus Sister Act, live gesungen wurde, musste ich einfach meine Kamera rausholen. Als unser Part kam, wurden wir persönlich aufgerufen, mussten nach vorne auf die Plattform und zum Glück nur die eingesammelte Spende einmal weiter reichen. Zum Schluss erhielten wir den Klassiker: ein kleines abgepacktes Gericht und ein Softgetränk sowie die nächsten Einladungen für die kommenden Wochenenden.


bei den "weißen" Ladys





Receivers



mit Olive und Sarah (Staff-Nurse von Step Down)

14.8.13 22:46


25.8.13 TFC-Malnutrition

Das TFC (Therapeutic Feeding Center) für die unterernährten Kinder liegt vom Klinikgeländeeingang ausgehend auf der rechten Seite direkt unter unserem Büroraum in einem Nebengebäude. Hier sehen die Kinder allein durch ihr starkes Untergewicht schon sehr krank und gebrechlich aus. So wiegt z.B. ein einjähriges Kind nur 4,3kg, ein zweijähriges Kind 8,8kg und ein fünfjähriges Kind auch schon mal nur 7,8kg. Die Hauptursachen sind die falsche sowie mangelnde Ernährung der Kinder durch die Eltern und meist auch eine unbehandelte Tuberkulose des Kindes. Manchmal liegen dort auch Kinder mit dem Unterernährungstyp "Kwashiorkor", das sind Kinder mit den typischen Wassereinlagerungen besonders am Bauch, an den Beinen und im Gesicht.
Die Station umfasst 13 Betten und gearbeitet wird nach den Unicef-Richtlinien, da das Feedingcenter von Unicef unterstützt und betreut wird, in dem Maßbänder und Waagen sowie Nahrung zur Verfügung gestellt wird.
Die stationären Kinder werden zu den festen Ernährungszeiten
(1:00, 4:00, 7:00, 10:00, 13:00, 16:00, 19:00, 22:00 Uhr) unter Aufsicht der Schwestern von den Eltern mit der festgelegten Nahrung und Nahrungsmenge gefüttert. Hier lernen die Eltern wie richtig gegessen wird und wie viele MZ ein Kind braucht. Wobei ich anmerken muss, dass die beiden nächtlichen Zeiten erst seit 6 Wochen mit Absprache Ärzte/Unicef durchgeführt werden. Jede MZ wird dann auf einer gelben Feedingcard dokumentiert, vier Kreuze für alles ausgetrunken, zwei Kreuze die Hälfte usw. und ein V bedeutet das Kind hat während der MZ erbrochen. Bei Erbrechen und Durchfällen beginnt man erstmal mit Resomal (Elektrolytlösung speziell für Unterernährung). Öfters kam es aber von Unicef schon zu Lieferschwierigkeiten, so dass wir gelernt haben mit ORS (normale Elektrolytlösung) in einem konzentrierteren Mischungsverhältnis plus etwas Limettensaft zu improvisieren. Wenn das Kind dann keinen Durchfall mehr hat, gibt man die kalorienreiche Spezialmilch F75 und später F100 und sobald die Kinder wieder feste Nahrung aufnehmen können die Breie Cornflour und Bennimix (im wöchentlichen Wechsel) sowie manchmal Eier oder die energiereiche Erdnussbutterpaste Plumpy nut, welche von allen Kindern gern gegessen wird. Seit zwei Monaten befindet sich durch eine Spende von Welbodi auch ein Pulsoxymeter auf Station, aber Sauerstoffgabe ist nicht möglich. Diese Kinder landen dann meist auf den Überwachungsstationen und werden je nach Gesundheitszustand zur Nahrungsaufnahme mit dem Kind ins TFC geschickt oder die Eltern holen sich die Nahrung ab.



Feedingtime



lecker Plumpy nut

Je nach TFC Assessment wird festgelegt, welche Nahrung und welche Menge jedes Kind erhält. Bei einer solchen Einschätzung ist das Geschlecht, das Gewicht, die Länge und der linke Oberarmumfang (MUAC) eines Kindes entscheidend, um in der Uniceftabelle die Schwere der Unterernährung festzustellen. Zu viel Flüssigkeit ist für diese Kinder nicht gut, so dass diese Kinder trotz starken Flüssigkeitsverlusts keine Infusionen bekommen. Oft frieren diese Kinder bei den hier doch warmen Temperaturen sehr, so dass wir gelegentlich mit Kleidung und Decken (vorhandene gesammelte Werke von unseren Vorgängern in unserem Office) aushelfen.


wiegen mit der Unicef-Waage



die Länge messen



Miatta James; das Maßband für den Oberarm


Jeden Mittwoch gibt es den SFP-Tag, an dem die Eltern mit ihren Kindern, in der Regel für 8 Wochen, jeden Mittwoch ins TFC kommen. In großer Runde wird für alle Eltern ein Vortrag über die Wichtigkeit der Hygiene sowie der regelmäßigen Ernährung gehalten und sie erhalten für eine Woche Nahrung. Jeden Donnerstag ist OTP-Tag für alle Outpatients, da finden Kontrolluntersuchungen statt, wo einbestellte Kinder nochmal vermessen werden und Nahrung verteilt wird.


Mittwochs zwischen 10:00-11:00 vor dem TFC Eingang

Zur Zeit verschönert ein Maler die weißen Wände des TFC's mit farbenfrohen ernährungshinweisenden Bildern und ich muss sagen, er macht seine Arbeit mit dem ihm zur Verfügung stehenden Mitteln wirklich sehr gut.


Very nice!!!

Erwähnen möchte ich an dieser Stelle den Pfleger Tamba (für Astrid Georg), der ausschließlich bis Ende Juli Nachtdienste auf Step Down absolvierte und am Tage auf TFC schlief, da er kein zu Hause hat und somit auf dem Klinikgelände lebt. Nun im August ist er öfters im Tagesdienst des TFC zu finden, so dass ich letzte Woche, nachdem wirklich alle Schwestern für zwei Tage von
8:00-17:00 Uhr bei einem Workshop waren, ihm half die Station zu versorgen. Gerade bei der Medikamentenberechnung taten sich bei mir Abgründe auf, denn ist Tamba doch der Mentor für Medikamentenberechnung und machte in der Vergangenheit zu diesem Thema mehrere Fortbildungen. Ab September wird er Nächte auf SCBU machen und bis dahin werde ich mit ihm noch Medikamentenberechnung üben müssen.


Schicht mit Tamba;-)

Foto vom 21.08.13: ein fünfjähriges Mädchen mit Tuberkulose, wiegt gerade mal 7,8 kg


solche leeren und traurigen Augen

25.8.13 21:26


30.8.13 ER-Rettungsstelle


Die Rettungsstelle befindet sich im ersten Stockwerk des ersten Hauptgebäudes und wirkt meistens chaotisch und unstrukturiert. Hier fällt es schwer, allein schon durch die baulichen Begebenheiten, Ruhe und Ordnung rein zu bringen. Aber die Schwestern schaffen es immer, sich entspannt an den Tisch zu setzen, um sich auszutauschen, gern erfolgt dies auch im benachbarten Pausenraum. So das man manchmal für kurze Zeit keine Schwester im ER antrifft. Einige Schwestern haben einfach die Ruhe für sich gepachtet.
Da die Kurven hier nur selten am Bett bleiben, ist man ständig am Suchen und es kann schnell mal was untergehen. Bei hohem Patientenaufkommen fällt es selbst mir schwer den Überblick zu behalten. Die dort immer zu zweit arbeitenden House Officer haben durch die vielen Aufnahmen und die stationären Patienten, da der ER über 8 stationäre Betten verfügt und 6 Liegen, gut zu tun und sind froh, wenn sie nach einem Monat wieder wechseln müssen. Der House Officer Streik hielt übrigens drei Tage an und nun läuft alles wie immer und man wartet auf das Geld vom Government. Zwischen den bereits stationären Kindern liegen oft die Neuaufnahmen, halt da wo gerade Platz ist und oft auch zwei Kinder in einem Bett. Aber seit ein paar Wochen wird versucht auf der einen Seite in den Betten, die stationären Kinder zu packen und auf der anderen Seite auf den Liegen, die Kinder die weitergeschickt werden. Das klappt je nach Personal mal mehr und mal weniger gut. Die Eltern sitzen mit ihren oft sehr kranken Kindern im Flur des ER auf einer Bank und warten brav der Reihe nach, bis sie dran sind und der Arzt sich das Kind anschaut. Akut lebensbedrohliche Kinder allerdings werden sofort auf eine Liege gepackt. Diese Kinder kommen nicht nur von der Triage, sondern auch von den Stationen, da dort im Gegensatz zum ER, der Arzt nur während der Visite anzutreffen ist. Bei akuter Verschlechterung eines Kindes also, so wurden die Schwestern hier geschult, das Kind zum Arzt in den ER bringen. So erinnere ich mich an meine Anfangszeit, nachdem ein Kind nach einmaliger Diazepamdosis auf Step Down erneut krampfte, hieß es Verlegung in den ER. Also wurde das krampfende Kind in den ER gebracht, wo es sehr voll war und wir erstmal einen Platz suchen mussten. Ich blieb bei dem Kind und die Schwester ging wieder zurück auf ihre Station. Ich machte eine kurze Übergabe an eine Schwester mit klarer Ansage wir brauchen einen Arzt und Diazepam. Minuten vergehen, die besagte Schwester ist nirgends mehr zu sehen. Einer von sechs plötzlich um mich herumstehenden Schülerinnen sagte ich, sie möchte mir bitte eine Sauerstoffbrille bringen, während ich das Kind an ein Pulsoxymeter anschloss und mich nach einem geeigneten Sauerstoffanschluss umsah. Auch diese Schülerin war plötzlich weg und ich musste mir die Sauerstoffbrille selbst holen. Dann der nächsten Schwester eine kurze Übergabe geben, diese wühlte dann lange im Schrank und fand kein Diazepam. Ich fand auch nichts, also holte ich schnell welches von der Emergency box aus dem gegenüberliegendem Arztzimmer. Inzwischen war dann ein Arzt da, der das Kind erstmal untersuchte und ich wieder eine kurze Übergabe machen musste und irgendwann kam die Schwester auch endlich mit dem aufgezogenen Diazepam und das Kind hörte nach über einer halben Stunde auf zu krampfen. Einen Sinn sah ich da nicht, zu mal auf Step Down ja ein Arzt war und mit Sicherheit alles viel schneller gegangen wäre. Ein Transfer zwischen den Stationen mit Sauerstoff ist hier nicht möglich, nur in Ausnahmefällen haben wir eine gefüllte Sauerstoffflasche bei uns im Office. Die zweite Sauerstoffflasche ist leer, da es zur Zeit keine Möglichkeit gibt, diese zu befüllen.



Wartebereich der Eltern vor dem ER



linke Seite des ER, für die stationären Patienten



rechte Seite des ER



bei der Arbeit am Ärztetisch



Anne und ich mit den Schwestern des ER


Der ER hat neben der ICU die höchste Sterberate zu verzeichnen, da hier einfach die kränksten Kinder liegen und die Kinder oft in einem sehr schlechten Zustand eintreffen. Viele Eltern waren vorher auch erstmal bei einheimischen Naturmedizinern und geben ihren Kindern irgendwelche Kräuter/Blätter zu essen. Aber meistens können die Eltern nicht sagen, was sie ihrem Kind genau gegeben haben oder verleugnen es oftmals, da die Schwestern darauf nicht gut zu sprechen sind und die Eltern lautstark zurecht weisen. Die Kinder mit Vergiftungen (Herbalintoxikation) kommen oft in einem komatösen Zustand an, aus deren Magen durch eine Magensonde immer sehr ekeliges grünlich-bräunliches Sekret abgezogen wird und die Prognose der Kinder ist oft nicht so gut. Da erinnere ich mich an die Busfahrt nach Serabu, bei der wir eine Ansprache eines Naturmediziners mitverfolgen konnten. Unglaublich was er den Leuten alles auftischte, er hatte für sämtliche Krankheiten Kräuter und irgendwelche Tabletten. Zum Glück kauften nur wenige Einheimische von ihm. Aber viele Einheimische glauben daran, genauso wie an Witchcraft. Einmal habe ich hier ein so verwahrlostes Baby gesehen, das ich erstmal genauer schauen musste, ob es wirklich ein menschliches Wesen ist. Das war für mich unfassbar, wie man sein Kind so vernachlässigen kann. Es war eine wirklich sehr junge Mutter, die ihr Kind der Großmutter zur Pflege gegeben hatte. Natürlich kam jede Hilfe zu spät und in solchen Fällen verstehe ich dann diese laute Trauer der Mütter nicht, wenn sie sich verzweifelt auf den Boden werfen und so laut schreien, das man es auf dem ganzen Krankenhausgelände hören kann. Bis jetzt musste ich nur einmal für kurze Zeit ins Office gehen, weil mir ein Fall für einen Moment sehr nahe ging. Ansonsten habe ich mich einfach daran gewöhnt, das hier täglich die Kinder sterben, weil die Eltern einfach zu spät ins Krankenhaus kommen und die medizinischen Grenzen hier eng gesteckt sind. Gegenüber vom ER gibt es seit 6 Wochen ein Ultraschallraum und ein Side-Lab, wo am Tage ein Labormitarbeiter arbeitet, um Malaria-Schnellteste durchzuführen und zügig der HB bestimmt werden kann. Für die Nacht haben dort die Ärzte Zutritt. Dies ist eine positive Errungenschaft, da der Weg zum Lab weit ist und die aktuellen Laborbefunde oft im Nirwana verschwinden. Dafür stapeln sich nirgendwo sonst wie hier ältere Laborbefunde, da oft im Aufnahmebuch der Transfer zur Station vergessen wird zu notieren. Somit können die Befunde nur mit abklappern aller Stationen zeitnah dem Patienten zugeordnet werden. Aber diese Mühe möchte sich niemand machen.



der Ultraschallraum, mit Anne und Nellie



das Side Lab


An einem Tag wurden wir von Fatmata, einer Schwester des ER, zu sich nach Hause eingeladen. Ein Jahr nach dem Tod ihres Vaters ist es üblich, sich mit Freunden nochmal zum gemütlichen Beisammensein und Gedenken des Verstorbenen zu treffen. Sie lebt noch bei ihrer Mutter, die direkt an der Straße einen kleinen Laden hat mit dahinter angrenzendem Wohnraum. Es war total nett und wir wurden sehr aufmerksam mit afrikanischen Essen und Softdrinks bewirtet.



bei und mit Fatmata


31.8.13 00:46