.... meine Erlebnisse in Freetown

 in Sierra Leone

 20.04.13-09.10.13

Alter: 42
 




Blog

14.8.13 News im August

Nun im August möchte ich hier von Regenzeit sprechen, der Himmel ist meist bedeckt und es regnet öfters auch mal den ganzen Tag. Abends wird es deutlich kühler, so das man dann besser lange Kleidung trägt. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit sollte man regelmäßig seine Kleidung kontrollieren, wenn man auf der Kleidung keinen Schimmel züchten möchte. Meine Jacke, die hier seit meiner Ankunft nur im Schrank hängt, wies schon einen großflächigen grünlichen Schimmel auf. Mit dem Ende des Ramadan kamen wir letzte Woche Donnerstag (8.8.) in den Genuss eines offiziellen Feiertags, denn alle Moslems freuten sich über das Ende der Fastenzeit und feierten diesen Tag. So brauchten wir nicht zu arbeiten und jeder hatte mal Zeit für sich. Abends waren wir bei Mohammed, einen befreundeten Einheimischen weiter unten in der Haganstreet (Mabella) zum Essen eingeladen. Es war wirklich ein netter Abend und wir konnten die kleine Anne Ramatu bestaunen, das erste Kind seines Vaters mit seiner zweiten Frau. Es war kaum zu glauben, wie viele Menschen im Wohn- und gleichzeitig Schlafraum Platz hatten. Gegessen wurde gemeinsam aus einer großen Schüssel (Reis und Fisch, Yams und Kochbananen) all la Fingerfood. Natürlich nur mit der rechten Hand, denn ich weiß nun auch, dass es unter der einfachen Bevölkerung kein Toilettenpapier gibt. Das gründliche Händewaschen vor und nach der Mahlzeit haben wir selbstverständlich eingehalten!



bei Familie Mohammed



die kleine Anne Ramatu



all la Fingerfood


Das Projekt im Krankenhaus geht in Richtung Rückzug und das Team wird verkleinert auf eine Schwester und später auf einen Arzt. Meine Stelle wird somit nicht weiter besetzt. Astrid wird nicht verlängern und freut sich jetzt schon auf ihre Rückkehr in die Heimat Ende November. Unsere einheimische zweite Ärztin ist nach sieben Wochen Urlaub Anfang August wieder aus Deutschland zurückgekehrt und wird aus persönlichen Gründen in einer Woche wieder einige Zeit (6 Wochen) in Deutschland verbringen. Am 2.9. kommt Alex, ein Kinderarzt aus Berlin, um Anne abzulösen, die zwei Tage vor mir Heim fliegt. Für ihn werde ich dann mein Zimmer räumen und für die letzten Wochen eine Etage tiefer ins Zimmer neben Anne ziehen. Mit der Wohnungssuche gestaltet es sich nun ganz positiv, so dass eventuell nach unserer Abreise (Anne und ich) im Oktober umgezogen wird. Auf unserem Dach wird es nun mit zwei Fussballtoren und einer Slackline sehr sportlich.


Lupo das kitzelt


Im Krankenhaus können nun seit drei Wochen digitale Röntgenbilder gemacht und ausgewertet werden. Unser Office haben wir umgeräumt, so dass wir nun alle an einem Tisch sitzen. Alle Regale wurden ordentlich beschriftet, in diesem Zuge gleich Inventur gemacht und viele Sachen, die wir eh nicht verwenden werden weitergeleitet. Ab 15.8. gehen nun alle Houseofficer in den Streik, da sie aktuell nun zwar endlich ihr Gehalt vom Government bekommen, aber es ihnen nicht rückwirkend für ein halbes Jahr gezahlt wird. Daher gab es heute ein Sondermeeting aller Ärzte mit der Professorin, die dafür Verständnis zeigte und uns anschließend den Ablauf für die kommenden Tage mitteilte. Auf allen intensiveren Bereichen (ER, ICU, SCBU und Step Down) arbeitet ein Seniorofficer oder Medicalofficer, die nicht betroffen sind, alle Outpatient werden weitergeschickt und auf den Normalstationen wird versucht, so viele Kinder wie möglich zu entlassen. Ansonsten läuft alles wie immer, mit ganz kleinen Schritten nach vorne.



der Container mit dem Röntgengerät


Seit dem 4.8. hat sich unser Team überraschend etwa vergrößert. Wir haben nun einen Cap Anamur Hund namens Lupo. Aber wie kam es dazu? Hunde werden hier im allgemeinen von den Menschen sehr schlecht behandelt. Sie müssen hungern, werden oft grundlos getreten, geschlagen und beworfen. Nun zu seiner Geschichte. Anne und Ole waren allein am Bureh Beach, als sie einige Kinder beobachteten, die hinter einigen Hunden hinterher rannten, sie traten und bewarfen. Unseren Lupo schnappten sie sich und warfen ihn ins Wasser, wo er luftringend beinahe ertrunken wäre, wenn Ole nicht ins Wasser gesprungen wäre, um ihn zu retten. Was die Kinder nun gar nicht verstanden, ist doch nur ein Hund. Beide nahmen den völlig verängstigten Hund mit zu uns nach Hause, wo ein Hund schon länger ein Thema war. Als wir anderen abends vom Lumley Beach zurück kamen, war unsere Freude groß. Er hat sich schon ganz gut eingelebt und sich auch ans Treppen steigen gewöhnt, wurde er die ersten Tage noch getragen. Über Nacht schläft er oben auf dem Dach und ansonsten ist er viel im Wohnzimmer und auf dem Balkon oder am Tage bei Ruth unten im Büro. Die Küche ist tabu, aber daran müssen wir ihn immer noch oft erinnern. Ich hoffe für die Kinder hier im Haus ist er eine nachhaltig pädagogisch wertvolle Begegnung.


Lupo



na so ein bischen, kann ich doch wohl in die Küche


Am 10.8. haben wir es richtig krachen lassen und hier in der Haganstreet den ersten Geburtstag des Pikin Paddy Projekts gefeiert. Eine kleine Feier mit allen Angestellten nebst Begleitung und alle hier zur Zeit wohnenden Kindern, denn genau vor einem Jahr (6.8.12) wurden die ersten Kinder hier im Haus aufgenommen. Zeitgleich wollten wir uns mit unserem furchtbaren DJ (mir schon von der Eröffnungsfeier bekannt) sowie voller Musiklautstärke an alle unsere Nachbarn rächen, die auch ständig ihre Musik auf Anschlag stellen und wir dadurch sehr oft um unseren erholsamen Schlaf gebracht werden. Mit anfänglichen Schwierigkeiten meiner Person, da ich meinte, meine alltägliche Doxycyclin Tablette (Malariaprophylaxe) kurz vor Partybeginn auf nüchternen Magen einnehmen zu müssen und dadurch eine Weile mit den Konsequenzen zu kämpfen hatte, wurde der Abend ein voller Erfolg. Zu meiner Freude, war ich doch auf das Schlimmste eingestellt, konnte ich meine Ohrstöpsel im Zimmer lassen, denn die Musiklautstärke sowie Titelauswahl waren angenehm, ganz wie auf den heimatlichen Partys. Alle hatten Megaspaß und besonders für die Kinder war es ein Highlight. Es wurde wie wild getanzt und besonders die Streetchildren haben uns mit ihrem Tanzen wieder sehr beeindruckt. Einige Kinder wollten mit uns Damen auch den deutschen Tanzstil ausprobieren. Für das leibliche Wohl hatte Ruth gut gesorgt und unsere Kuchenkreationen kamen ebenfalls sehr gut an, so dass sich unverschämt eine unserer Küchenfrauen noch während der Party viele kleine Stückchen einpackte. Kurz vor zwei Uhr lag ich dann im Bett, da der nächste Tag früh beginnen würde.


Versuch eines Gruppenfotos



Hauptbeschäftigung :-))



unsere Backkreationen



Am Sonntag folgte ich mit Anne und Astrid der Einladung von Olive (Nurse von Step Down) in die Bethel Methodist Church (Women's Fellowship) zum Thanksgiving. Gestylt in unserem einheitlichen Rockdress ging es durch die Stadt in die ganz in der Nähe vom ODCH gelegene Easton Sreet. Wir kamen etwas zu spät und mussten kurz am Eingang warten, bis für uns extra Stühle in den Gang gestellt wurden. In der Zwischenzeit kauften wir uns ein Programmheft und stellten zu unserem Schreck fest, dass dort gleich auf der ersten Seite unsere Namen (Anne's und mein Name) unter den Receivers aufgeführt waren. Aber gut, sie werden uns schon sagen, wie wir was zu tun haben. Also genossen wir erst mal die feierliche Stimmung der in weiß gekleideten Ladys. Es wurden positive Reden gehalten, feierlich gesungen und zwischendurch immer wieder zum Geld spenden aufgefordert. Als es hieß, jeder spendet nochmal für seinen Wochentag, an dem er geboren wurde, musste ich kurz überlegen und ich hoffe, ich habe mich mit dem Dienstag richtig entschieden. Die knapp drei Stunden waren wirklich sehr amüsant und als noch das Lied "I will follow him", bekannt aus Sister Act, live gesungen wurde, musste ich einfach meine Kamera rausholen. Als unser Part kam, wurden wir persönlich aufgerufen, mussten nach vorne auf die Plattform und zum Glück nur die eingesammelte Spende einmal weiter reichen. Zum Schluss erhielten wir den Klassiker: ein kleines abgepacktes Gericht und ein Softgetränk sowie die nächsten Einladungen für die kommenden Wochenenden.


bei den "weißen" Ladys





Receivers



mit Olive und Sarah (Staff-Nurse von Step Down)

14.8.13 22:46


30.7.13 Serabu vom 18.-23.7.13

Sierra Leone ist wirklich ein sehr schönes Land. Ein Land mit vielen unterschiedlichen Gesichtern, zwischen grenzenlosen Gewimmel und großen, leeren Gebieten. Eins kann ich sagen, die schönsten Tage verbrachte ich hier in Serabu. Jeder sieht die Welt mit seinen eigenen Augen und für mich ist das Afrika, diese idyllische dörfliche Gegend mit vereinzelten Häusern aus Lehm oder Wellblechschuppen. Diese herrliche Landschaft mit der rotbraunen Erde, der grünen Natur und diese traumhafte Ruhe. Ausnahmslos alle Einheimischen waren uns gegenüber auf eine angenehme Art sehr freundlich, aber das liegt sicher auch an der ethnischen Bevölkerungsgruppe: der Mende.


von Freetown über Bo nach Serabu


Am 18.7. durften wir alle früh aufstehen, da wir um 6:00 Uhr den ersten Governmentbus nach Bo nehmen wollten, denn es hieß er fährt immer pünktlich los und der zweite Bus um die Mittagszeit erst dann, wenn er voll ist. Am Bus angekommen, herrschte dort ein buntes Gewimmel, Sachen wurden unten im Bus verstaut, rund herum sinnlos wirkende Diskussionen, Gelder wurden einander zugesteckt und alle mussten sich der Sitzplatznummer nach anstellen und warten bis sich alles organisiert hat. Mit unseren Sitzplatznummern 8-11, da wir einen Tag vorher schon die Tickets kaufen ließen, standen wir ziemlich weit vorne und konnten entspannt beobachten. Interessant war, was alles so mitreist, selbst lebende Hühner in Plastiktüten verpackt. Irgendwann hieß es Einsteigen und die Sitzplatznummern wurden ganz wichtig auf einer Liste, von einem Governmentmitarbeiter abgestrichen. Die Sitzplätze waren allerdings sehr eng, so das meine Kollegen, die größer als ich sind, Probleme mit ihren Knien hatten. Da eine Fahrkarte 20.000 Leone umgerechnet 4,-Euro kostet, nehmen die Einheimischen ihre Kinder gern auf den Schoß. Neben uns die Mutter hatte nun aber zwei Kinder, so bot sich erstmal Anne vorübergehend an und später konnte der Junge auf einen Kanister im Gang sitzen. Das andere Kleinkind blieb bei der Mutter und wurde auf ihrem Schoß erstmal gewickelt, zwischendurch musste sie nochmal kurz aussteigen, warum auch immer, so dass Ole nun auch ein Kind auf dem Schoß hatte. Irgendwie wirkte sie sehr unorganisiert und suchte ständig was in ihrer Tasche. Aber irgendwann war sie reisefertig. Viele Mitreisende nutzten noch die Möglichkeit einzukaufen, was auch einfach ist, da der Bus draußen von Verkäufern belagert wird. Einfach Fenster auf und sagen was man möchte. Jemand wollte Erdnüsse und gleich standen mehrere Personen mit Erdnüssen vor dem Fenster. Und sollte man ungünstig sitzen, steht dem Einkauf auch nichts im Weg, Geld durchreichen und die Ware wird dann ebenfalls durchgereicht. Nachdem sich alle organisiert hatten, fuhr der Bus nun endlich pünktlich um 6:45 los. Die Fahrt unterbrachen wir mit zwei kleineren Zwischenstopps, wo mir das Aufsuchen und das Erledigen der "Notdurft" größere Überwindung kostete.


unser Governmentbus


im Bus


die Gemeinschaftstoilette



Nach guten vier Stunden Fahrt sind wir dann in Bo eingetroffen und beim Aussteigen fing es auch gleich an zu regnen, was zum Glück nur von kurzer Dauer war. In Bo wurden wir von einem Manager eines Krankenhauses abgeholt, den Ole durch ein anderes Projekt kannte und wir verbrachten den Nachmittag mit der Besichtigung des modern eingerichteten "Gila's Children and Community Hospital" und unterhielten die dort in der Umgebung wohnenden Kinder.


"Gila´s Children and Community Hospital"


Wo kommen auf einmal die ganzen Kinder her?


musikalische Unterhaltung


Fotografieren finden die Kinder immer ganz toll.


Weiterfahrt nach Serabu.


Am späten Nachmittag wurden wir von dort durch den Fahrer des Hospitals in Serabu abgeholt, der zuvor in Bo Einkäufe zu erledigen hatte und es ging mit einer Stunde Fahrweg auf nach Serabu, wo Jacki, die Ärztin uns schon erwartete. Sie arbeitet dort seit einigen Monaten für eine andere deutsche NGO (Ärzte für die dritte Welt). Das Team besteht neben Jacki noch aus einem Kinderarzt, einem Chirurgen und einer Anästhesistin, die allerdings keinen Jahresvertrag haben, sondern im sechswöchigen Rhythmus wechseln. Meist arbeitet dort auch noch eine Gynäkologin mit, aber zur Zeit ist wohl keine verfügbar. Die Mitarbeiter arbeiten und wohnen dort direkt auf dem Krankenhausgelände, was natürlich durch das ständige erreichbar sein, oft sehr anstrengend ist. Da Jacki einen von den zwei Bungalows zur Zeit alleine bewohnt, war dort genug Platz für uns vier. Astrid und Jacki hatten ein Einzelzimmer, Anne und ich teilten uns ein Zimmer und Ole durfte es sich im Wohnzimmer gemütlich machen. Uns erwartete dort eine idyllische Ruhe und wir konnten wieder einmal entspannt ohne Ohrstöpsel schlafen.


auf dem Krankenhausgelände


vor unserem Bungalow


Am folgenden Tag nach dem Frühstück bekamen wir durch den Krankenhausmanager James mit dem Auto eine dreistündige Führung in die nähere Umgebung unter anderem zu den Bauxitminen. Die besagten Diamantenminen befinden sich leider weiter östlich des Landes. Am Nachmittag besichtigten wir auf dem weitläufigen Klinikkomplex die Kinderstation und das Labor, wo wir eine lustige Führung durch den einheimischen Labormitarbeiter erhielten. Zum Abendessen haben wir uns dann mal selber an die offene Feuerstelle getraut und einen Eintopf gekocht. Einen Gasherd gibt es hier leider nicht, so das ausschließlich die Einheimischen Ali und Samba kochen. Um die Mahlzeiten brauchten wir uns die Tage nicht zu kümmern, Frühstück war immer schon vorhanden als wir aufstanden, Mittag gab es immer gegen 14:00 Uhr und Abendessen gegen 20:00 Uhr. Den Abend ließ ich mit Anne noch bei einem nächtlichen Spaziergang bei Mondschein und Sternenhimmel sowie hunderte von kleinen Glühwürmchen, die unsere Wege begleiteten, ausklingen.



auf der Kinderstation


Samba vor der Kochhütte


Abendessen ist fast fertig



Am Samstagvormittag machten Astrid und ich einen Spaziergang durch Serabu und hatten angenehmen Kontakt zu den Einheimischen. Besonders die Kinder kamen jedesmal fröhlich angerannt und begrüßten uns mit "Pumui" was auf Mende "Weiße" bedeutet oder mit "Bua" für "Hallo" und "Muya hoe" für "Goodbye". Mit einigen Kindern spielten wir kurz auf der Straße Fußball und andere Kinder rollten ein Felgenrad geschickt mit dem Stock. Und ich muss ehrlich sagen, ich habe es mehrmals probiert und es nicht mal ein kleines Stückchen geschafft, was die Kinder natürlich amüsierte. Generell wurden wir von den Leuten, die man auf dem Weg traf, sehr freundlich angesprochen. Wichtig war Ihnen immer wie man heißt und wo man herkommt. Fotos machen fanden sie im Gegensatz zu den Menschen in Freetown ganz toll und so hatte ich für die 6 Tage schnell über 500 Fotos zusammen. Durchgeschwitzt kehrten wir für ein kühles Softgetränk kurz in die Dorfbar oder auch Gasthaus genannt ein, bevor wir wieder zurück zum Mittagessen mussten, da schon eine Sms von den Kollegen eintraf. Nach einer kleinen Mittagsruhe trafen wir uns mit Peter, einem einheimischen CHO (Community Health Officer) und spielten zu seiner Freude wie wild Tischtennis. Das Abendprogramm gestaltete sich dann sehr musikalisch, da Jacki ihre Gitarre rausholte. Bei dem musikalischen Beitrag: "It's me..." und dem selbstkreierten Background durch Astrid: "How is it?" blieb vor Lachen kein Auge trocken.


freudig kommen einige Kinder angelaufen


auf dem Spaziergang


eine Wasserstelle für die Frauen zum Wäsche waschen


und für die Kinder zum Baden


beim Cassava leaves stampfen


beim lockeren Straßenfußball


kurze Pause


was die Kinder schon so alles auf den Kopf tragen


das ist nicht leicht


der musikalische Abend



Auf den Samstag folgte nun der Sonntag und ich muss ehrlich sagen, ein Glück, das ich hier Tagebuch führe, sonst würde ich hier vieles zeitlich nicht mehr zusammen kriegen. Nach dem Frühstück musste uns Ole nun wieder verlassen, da er am Montag ein wichtiges Meeting hatte. Seine Heimreise gestaltete sich durch mehrere geplatzte Reifen des Poda Poda etwas unglücklich, so dass er erst am späten Abend zu Hause bei Ruth eintraf. Wir dagegen genossen bei weiterem Sonnenschein das Frühstück, mit angenehmer musikalischer Untermalung durch die hörbaren Gesänge aus der Dorfkirche. Anschließend zogen wir zu dritt los und nahmen wieder einen anderen Weg aus dem Dorf hinaus. Es war schön den Wegen aus roter Erde zu folgen und das intensive grün der Natur zu genießen. Wir trafen wieder auf mehrere Einheimische und es ist schon erstaunlich, was sie alles auf dem Kopf tragen und welche schweren Lasten sie teilweise schleppen müssen. Selbst schon die kleinen Kinder tragen alles auf dem Kopf. Ein Junge namens Musa, ließ mich für eine Weile seine Schüsseln gefüllt mit Cassava leaves tragen, zur amüsanten Unterhaltung einiger Einheimischer, die wir auf dem Weg trafen. Und ich muss schon sagen, da ich die ganze Zeit mit beiden Armen alles festhielt, merkte ich schon Aktivität in den Oberarmen. Weiter des Weges kamen wir auch noch an Feldern vorbei, die von mehreren Frauen bewirtschaftet wurden. Die Kinder spielten unterdessen solange unter einem Baum und die ganz Kleinen blieben sogar während der Arbeit auf dem Rücken der Mutter. Es scheint so, dass viele Dorfbewohner von ihrem eigenen Anbau leben. Nach dem ausgiebigen Spaziergang mussten wir alle etwas Mittagsschlaf halten und da es abends regnete entschieden wir uns für einen gemütlichen DVD Abend. Außerdem beschlossen wir spontan und einstimmig unseren Abreisetag einen Tag nach hinten zu verschieben.



schwere Kanister mit Palmwein


gerüstet zum Klettern


ohne Festhalten geht es nicht


Musa; ich weiß gar nicht, was es da zu kichern gibt


die fleißigen Mütter


die Kinder auf dem Feld




Am Montag ging es nach dem Frühstück in die nahegelegene Augenklinik, in der Linda als Krankenschwester arbeitet, die wir am Wochenende im Gasthaus kennenlernten und sie uns zu einem Rundgang eingeladen hatte. Es war sehr interessant, ab und zu kommt hier auch eine englische NGO her und führt Katarakt Op's durch. Auch haben sie hier schon gute Möglichkeiten um Sehschwächen zu erkennen und mit ausgedienten Brillengestellen zu korrigieren. Danach schauten wir uns noch die Dorfkirche genauer an, die für uns extra aufgeschlossen wurde. Vom Pastor wurden wir noch auf seinen Balkon eingeladen, wo wir zwei niedliche kleine Katzenjungen bestaunen konnten. Während des lockeren Gesprächs kam noch ein Lehrer aus der daneben gelegenen Schule dazu und wir bekamen Einblicke in die schrecklichen Kriegsgeschehnisse (1991-2002), als diese Gegend von den Rebellen eingenommen wurde. Viele flüchteten damals in den Busch oder ins sichere Freetown, wo Flüchtlingsunterkünfte bereit standen. Bis auch hier am 6.1.1999, während des Waffenstillstands, die Rebellen in die Hauptstadt einfielen.

Am Nachmittag durfte Anne noch bei einem Kaiserschnitt zusehen und Astrid und ich zogen nochmal durch den Ort. Interessant war auch ein Gang durch die Mädchenschule, die sich direkt auf dem Krankenhausgelände befindet und von außen eher was von einem Stallgebäude hat. Drinnen befanden sich einfache Holzbänke, eine einfache Tafel und an den Wänden hingen wirklich sehr interessante selbstgestaltete Poster. Mit der Anatomie allerdings hapert es wohl etwas, aber das erklärt dann einiges, warum manche Schwestern bei der Herzdruckmassage eher Richtung Magen drücken wollen. Pünktlich zum Abendessen waren wir wieder zurück und entschieden uns erneut für einen Filmabend.



in der Augenklinik


ein typisches Bild


beim Pastor auf dem Balkon


typisches Schulgebäude


ein Klassenzimmer


Anatomie?


ein letzter Spaziergang




Am nächsten Tag war es dann leider soweit, die Heimreise stand an. Gegen 10:45 Uhr wurden wir mit dem Auto nach Bo gefahren und so blieb uns zum Glück das Motorbike fahren erspart. Denn die Straßenverhältnisse nach Bo sind sehr schlecht und Taxis etwas schwieriger zu kriegen als in Freetown. Motorbikes gibt es dagegen viele im Land, sicher liegt es auch daran, das damals nach dem Krieg, die Regierung Motorbikes gegen Waffen eintauschte, damit die Waffen raus aus dem Land kommen. James, der Krankenhausmanager, der sich über ein verlängertes Wochenende bei seiner Familie in Bo befand und sonst in einem kleinen Bungalow auf dem Krankenhausgelände bleibt, hatte für uns schon Tickets für den Governmentbus gekauft. Wir hatten gerade noch Zeit für einen Toilettengang und ein Softgetränk in einer Gaststätte, bevor der Bus um 13:00 Uhr losfuhr. Gegen 17:30 Uhr stiegen wir fast vor unserer Haustür am Glocktower aus, was sehr praktisch war, da wir nun nur ein kurzes Stück laufen mussten. Das ist hier das Gute, der Bus hält auch außerhalb der gängigen Haltestellen, wenn man dem Fahrer Bescheid gibt. Wir waren nun zu Hause und mussten den lauten Lärm und den typischen unangenehmen Marktgeruch wieder ertragen. Zu unserer "Freude" stellten wir auch noch fest, es gibt mal wieder kein fließend Wasser und keinen Strom. Egal, ich hatte schöne Tage verlebt, die mir für immer in Erinnerung bleiben werden.

31.7.13 00:02


16.7.13 Triage und Observation

Triage und Observation

Durch den Haupteingang im ersten Hauptgebäude, vorbei an Mohamed, einem Securitymitarbeiter, gleich links befindet sich im Erdgeschoss die Triage. Die Anmeldung ist klein und übersichtlich. Hier wird entschieden, ob die Kinder mit Eltern weiter in ein Healthcenter geschickt werden, sie als Outpatient von einem Arzt in einem Behandlungszimmer, selbige Ebene, angeschaut werden, was oft schon ein paar Stunden Wartezeit mit sich bringt oder sie so krank sind, dass sie mit Begleitung einer Schwester eine Etage höher in den ER gebracht werden. Alle Outpatients und Inpatients werden dort gewogen, die Länge sowie alle Vitalwerte werden einmal gemessen und auf eine grüne Karteikarte geschrieben. Die Temperatur messen die Eltern selbst, dabei muss ich anmerken, dass im ganzen Krankenhaus nur axillär gemessen wird. Bei Bedarf wird Paracetamolsaft gegeben, das dort einzige verfügbare Medikament. Diese Arbeit ist einfach und gut strukturiert für die dort arbeitenden Schwestern. Es gibt eine Schwester am Empfang namens Onike, die ausschließlich alle Kinder in ein überdimensionales Gouvermentbuch einträgt. Zur Zeit hat sie vier Wochen frei und jemand anderes übernimmt vorübergehend diese Tätigkeit.


Blick auf die Anmeldung der Triage


Blick von oben

Auf der rechten Seite, vorbei an der Pharmacy und mehreren Behandlungsräumen befindet sich am Ende des Flurs die kleine überschaubare Observationstation mit ihren acht Betten. Wobei die größeren Betten sich öfters auch zwei Kinder teilen. Hier liegen die Kinder nur kurz und werden schnellstmöglich entlassen oder weiter verlegt, ansonsten ist es noch so eine Art Privatstation für den Klinikchef Dr. Baion, der hier die Visiten abhält. Die Observation läuft durch die Schwestern ganz gut und oft trifft man sie gemütlich sitzend an. Von der Schwesternanzahl her, könnte dort bald 1:1 Betreuung stattfinden. Aber zu gern, wird sich dort im direkt angrenzenden kleinen Aufenthaltsraum aufgehalten.
Auf dieser Station gibt es eine sehr lustige Schwester namens Abibatu, die mir unbedingt Krio beibringen möchte, aber da bleibt mein Vokabular sehr sehr begrenzt mit den typischen Redewendungen:



  • Kusheh - Hallo

  • Kusheh ja - dir auch Hallo

  • Tenki - Danke

  • Tell good tenki - dank sei Gott

  • Au di body? - wie geht's ?

  • Di body fine - es geht mir gut

  • Small small - es wird langsam

  • Au di morning, day, work, pikin...? - wie ist der Morgen, Tag, Arbeit, Kind...?

  • Una Morning - Euch guten Morgen

  • Ussa you de? - Wo wohnst du?

  • A de na... - Ich wohne in...

  • Wetin na you name? - Wie heißt du?

  • Au mos? - Wieviel?

  • I don dei - er/sie ist gestorben

  • Kombra - Mutter

  • Anti -Tante

  • tschuh - Spritze geben

  • toilet fast fast - Durchfall

  • the body warm - hat Fieber

  • merressin - Medizin

  • don don - fertig

  • titi - Mädchen

  • bobo - Junge



  • Gang zur Observationstation, rechts sind Behandlungszimmer


    bei der Ward Challenge



     

    16.7.13 21:47


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